Habitat Supermarkt – Ein Experiment zur Siedlungsstruktur

PROJEKT // Habitat Supermarkt – Ein Experiment zur Siedlungsstruktur
KATEGORIE // Experiment / Ausstellung / Gestaltung
JAHR // 10.2008
BEARBEITUNG // Lukas Halemba / Rudolf D. Klöckner / Sophie Naue / Anja Nettig // Mariya Gyurova, Valérie Rallière, Blandine Cattani, Julian Sippel (Raumagenten auf Zeit)

Habitat Supermarkt

Der Supermarkt ist weiter gezogen und hat nur Erinnerungen an das geschäftige Fließbandtreiben der Strichcodes hinterlassen. Das einstige grelle Licht kann lediglich anhand der schlafenden Neonröhren an der Decke erahnt werden. Die Dunkelheit lässt den Raum im Stillstand erstarren. Dieser Stillstand bietet Möglichkeiten, den Raum neu zu imaginieren, mit neuer Bedeutung zu versehen – bis er wieder vom Wirtschaftszyklus eingefangen wird und eine klare ökonomische Funktion einverleibt bekommt. Der Punkt, an dem wir uns befinden, ist die Zwischenzeit. Sie legt für uns Räume frei – entkernte bis aufs Skelett reduzierte Räume – funktionsleer und glatt. – Dieser Raum wird zum Experiment.

Zwei zentrale Fragen bestimmen die Rahmenbedingungen des Experiments: Kann eine durchrationalisierte Einkaufsarchitektur wohnbar werden? Wie gestaltet sich der Austausch mit den materiellen Gegebenheiten des Raumes und wie werden die Grundvorstellungen des Wohnens Platz einnehmen?

Die experimentelle Basis wird durch Strom, Wasser und Internet festgelegt. Diese Grundversorgung induziert die Folgeentwicklung. Sie erlaubt durch ihre simultane Verschiebung stets eine Prozesshaftigkeit der Neuentwicklung und Umstrukturierung des „Wohnraums“. Ein Abwicklungszeitraum von fünf Tagen wurde festgelegt mit dem Ziel, die Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.In unvorhersehbarem und individuellem Gruppenprozess kommt es zu einer bedarfsorientierten Verständigung mit dem Raum.

Neben individueller Aneignungspraktiken besteht eine Übereinkunft ausgehend von sozialen Bedürfnissen und gängiger Vorstellung der Wohnraumunterteilung: Küche als Grundbedürfnis, Wohnzimmer als Kommunikations- und Freizeitraum, Büro- und Materiallager als Produktionsstätte, Schlafraum als Ruhezone sowie Spiel- und Sportbereich zum physischen Ausgleich. Diese prozessuale Anordnung ergibt letztendlich die strikte Form einer diagonalen Achse, die gegen den Raum arbeitet, diesen aber klar strukturiert. Die einzelnen Räume und Arbeiten orientieren sich somit an gemeinsam festgelegten Richtlinien – eine Topologie zur Orientierung innerhalb des Dimensionsrahmens von 400 qm.

Durch die Abwesenheit von Tageslicht wird Takt und Tempo vorgegeben – der Tag wird zur Nacht; ein Zeitgefühl, unabhängig von der Uhr.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die impliziten Gesetzmäßigkeiten des Raumes erlauben nur ein Wohnen auf Zeit. Die temporäre Aneignung solcher Räume wird somit zur Regel für weitere Experimente.

Das Experiment fand vom 20. – 26. Okt. 2008 in der Einkaufspassage des “Forum Altona” in Hamburg statt. Teilnehmer waren: Lukas Halemba, Rudolf Klöckner, Sophie Naue, Anja Nettig, Mariya Gyurova, Valérie Rallière, Blandine Cattani, Julian Sippel, u.v.m.




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